Hüter des perfekten Sounds

04.03.2019
Wirtschaftsbeilage: Backnang / d&b Audio Backnang Eugen-Adolff-Str. 134 Gespräch mit dem CEO Amnon Harman Foto: Büttner
Bild: Benjamin Büttner
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Was haben Madonna, Taylor Swift, Scooter, Rise Against und der Papst gemeinsam? Sie nutzen Soundsysteme von d&b audiotechnik. Die Edelsound Schmiede aus Backnang stellt passgenaue Beschallungslösungen im ganz großen Stil her. Ein international starker Brand mit einer überproportionalen Wachstumsstory – und trotzdem mit urschwäbischen Tugenden verheiratet.

Gehört haben wir sie bestimmt schon – ohne dass es uns in dem Moment klar war: Die AudioTechnologie von d&b wandert zu Veranstaltungsstätten in der Region und sie genießt weltweit hohes Ansehen. Neben der Stadthalle Sindelfingen und dem Quadrium Wernau sind d&b Systeme unter anderem im Gospel-Forum in Stuttgart, im Bürgerhaus in Backnang, in der Gemeindehalle Oppenweiler und im Technikmuseum in Backnang im Einsatz. Die High-End-Professional-Audio-Systeme beschallen Theater, große Konzerthallen wie die Muffathalle in München, Multifunktionalstadien wie die Amsterdam-Arena oder die Veltins-Arena auf Schalke und riesige Clubs auf der Insel Ibiza bei Auftritten von DJ-Ikone David Guetta und Weiteren. Insbesondere in Amerika und Asien zählen Kirchen zur Kundschaft, die mit dem gesprochenen Wort und der Musik viele Menschen erreichen wollen.

d&b verkauft seine Systeme an Rentalhäuser und Distributoren also an die Vermieter und Verkäufer von audiovisueller Präsentationstechnik. Ob Taylor Swift, Madonna, der Papst – wo auch immer sie weltweit auftreten, sind die intelligenten Soundsysteme aus Backnang mit am Start. Klassische Konzerte, Rock-Festivals, Automobilausstellungen, Hauptversammlungen von Porsche und Daimler, große Firmenevents, Kirchentage – Technik von d&b ist immer das Zünglein an der Waage. Was sie zu den international stark nachgefragten „Hot Sellern“ macht, ist der „kompromisslose hohe Qualitätsanspruch“, erklärt Geschäftsführer Amnon Harmann. Die Qualitäts-Überprüfungen erfolgen an zahlreichen Stellen. Jede Komponente bis zur winzigsten Platine und von der Elektronik bis zur Aufhängung ist zurückvollziehbar bis zum Produzenten.
Denn die „Demokratie für Zuhörer“, die d&b anstrebt, muss perfekt sein.

Im augenzwinkernd gemeinten „Aufstand gegen schlechten Sound“ steckt die Mission des Unternehmens: das fortwährende Streben, die Emotionen von der Bühne akkurat und unverfälscht auf den Zuhörer zu übertragen. So möchte d&b den guten Sound verbreiten und schützen. Vor über 15 Jahren hat Harman die von viel Pioniergeist getriebene Umbruchzeit bei „Suse Linux“ mitgestaltet. Der führende Distributor für das freie Betriebssystem Linux hat damals den Kampf gegen die etablierten Softwareunternehmen mit Lizenzsoftwareaufgenommen. Heute ist Linux zum Standard in der IT-Industrie geworden. In der Rolle des „Kämpfers für hochklassige Qualität“ („Fight the bad Habit of bad Sound“) sieht sich Harman bis heute. „Wir distanzieren uns mit Technologievorsprung von Mitbewerbern. Dank der Systeme von d&b kann der Zuschauer an jedem Platz auf einem großen Festivalgelände oder in einem Stadion denselben brillanten Sound hören“, so Harman weiter.

Durch den Raum fliegende Töne und Sounds kennen wir alle aus dem Kino. Da verwöhnen uns schon eine gefühlte Ewigkeit lang Mehr-kanal-Systeme wie „Dolby Atmos“ oder „Dolby Surround“ mit akustischen 3D-Eindrücken, die auch als immersiver Sound bezeichnet werden. d&b kann aber viel mehr: Technik, die für einen Kinoabend vor kleinem Publikum ausreicht, knickt ein vor Tausenden von Menschen in einem Stadion oder in einem großen Konzertsaal. Bis hin zu diesen Größenordnungen ist d&b audiotechnik unterwegs. „Wir verkaufen Lautsprecher und Verstärker als Ensemble, das heißt: Anlage auspacken, einschalten und der Kunde hat das pure Plugand-Play-Erlebnis vom Feinsten.“ Die Übertragung von Klangwelten durch Systeme von d&b audiotechnik biete konstante und kontinuierliche Beschallung höchster Qualität, ob bei Hitze oder Kälte, so Harman.

Gemäß dem Motto „d&b – the Protector of good Sound“ zählte das Unternehmen im Jahr 1990 nur etwas mehr als 20 Mitarbeiter. Inzwischen ist bereits der Bau des nächsten Gebäudes an der Stelle einer alten Halle in Planung. In dem von der Dibag gemieteten Campus in charmanten ehemaligen Gerberei-Fabrikgebäuden sind fast 400 Mitarbeiter in den Bereichen Management, Verwaltung, Produktmanagement, Produktion, Logistik in einem klanglich kreativen und innovativen Umfeld tätig, 50 von ihnen allein in der Produktentwicklung. Die Entwicklungsarbeit verteilt sich auf Akustik, Design von Lautsprechern, Elektronik und Software, deren Bedeutung wächst. Alleine 2017 wurden weltweit über 90 neue Mitarbeiter eingestellt – darunter auch Schreiner, die die Gehäuse für die Boxen bauen. „Wir kämpfen um die Talente, die Leidenschaft für Musik haben“, sagt Harman. Seine Mitarbeiter treibe die Begeisterung für Innovation und Qualität an. Die Mitarbeiter erleben Kreativität und Offenheit bei der Arbeit. „Jeder Einzelne kann das, was auf Bühnen weltweit passiert, mitgestalten und dazu beitragen, dass die Performance in akkurater Form aufs Publikum übertragen wird. “Nahezu jeder zweite Mitarbeiter spielt in einer Band oder hat einen musikalischen Hintergrund. „Viele ziehen extra her, um hier zu arbeiten, weil sie wissen, dass unser Unternehmen etwas Besonderes ist, ein starker Brand mit Magnetwirkung“, so Harman. Dass d&b trotz Fachkräftemangel so stark wachsen konnte, sieht er als Bestätigung für die Marke sowie Strukturen und Prozesse bei d&b. Das Unternehmen sei ein „starker Arbeitgeber“, sagt Amnon Harman selbstbewusst und entgegen der schwäbischen Attitüde des „Understatement“. Den schwäbischen Innovations- und Tüftlergeist müsse niemand verstecken: „Es gibt in der Region viele Unternehmen, die Champions sind und zu Weltruhm gelangt sind.“ Das Interesse an hochwertigen Resultaten passt aus Harmans Sicht gut zur Region. Ausgeprägter Fleiß, Technikbegeisterung, Qualitätsanspruch – diese schwäbischen Stärken strahlen auch von der Edelsound-Schmiede an der Murr ab.

Ein Global Player aus Backnang, aber bodenständig. Harman ist seit der Übernahme der Geschäftsführung im Jahr 2013 das Kunststück gelungen, das Potenzial der Mitarbeiter zu verheiraten mit einer freiheitsliebenden Kultur.
Er selbst lebt das Wir-Gefühl vor: Wie ein Coach bewegt er sich durch die Betriebsgebäude, lockerer Handschlag hier, Smalltalk auf Augenhöhe dort, nicht gekünstelt, alles authentisch. Kein Chef, der sich aus der Distanz heraus über einen Produktionsschritt informiert oder die Produktentwicklung überwiegend in Kuchendiagrammform verfolgt. Er strahlt ein Familiengefühl aus, das über die Campus-Grenzen hinausreicht.

Die größte Wachstums-Chance ist der Installationsmarkt. Seit einigen Jahren erschließt sich d&b unter anderem mit der DS10 Audio Network Bridge, die im Kern aus dem Hochleistungs-Audio-Prozessor „DS100 Signal Engine“ besteht (siehe Infobox), Schritt für Schritt das digitale Audio-Netzwerk – technisch gesprochen bewegt sich d&b entlang der Signalkette näher in Richtung Mischpult und Künstler. „Wir verstehen die Kundenanforderungen nach dem Early-Adopter-Prinzip“, erläutert Harman. „Wir sind in der Lage, etwas zu entwickeln, von dem der Kunde noch nicht weiß, dass er es braucht und will.“ d&b denkt sich in den Markt hinein, ist permanent „draußen“, hat die (feinen) Ohren und Antennen ständig am Puls der Zeit, wo Ideen geboren werden – so entstanden zum Beispiel kompakte Systeme, die wenig Platz benötigen, keine Tuningzeit beanspruchen und dadurch weniger Personal und Truckspace für den Tour-Transport.

Bei Hauptversammlungen von Porsche und Daimler hat die Technologieneuheit Soundscape dafür gesorgt, dass die Vorstände exakt an der Stelle zu hören sind, wo sie stehen, und dass das System ihre Bewegungen mitgeht. Das System stellt fest, wo sich die Soundquelle befindet. Die Klangquelle wird präzise mit ihrer Platzierung auf der Bühne in den Zuhörerraum übertragen. Das Signal der Lautsprecher erreicht das Publikum so, wie es die gestaltete Darbietung vor sich sieht. Es lassen sich auch ausgewählte Klangumgebungen erzeugen. Ein Open-Air-Konzert klingt wie eine Übertragung aus einem Konzertsaal, für 20.000 und mehr Menschen. „Die Künstler fangen gerade erst an, mit den mannigfaltigen Möglichkeiten dieses Sound-Systems zu spielen“, so Harman.