Von Wasserstoff-Pipelines und 3D-Druck

Beim Demo Day der InnoRegioChallenge präsentierten Studierenden-Teams ihre innovativen Lösungen, gleichzeitig wurde der Hochschulpreis Region Stuttgart verliehen

Fünf Teams der zweiten Runde der InnoRegioChallenge haben am 14. Oktober 2025 ihre Lösungen in den Räumlichkeiten der Universität Stuttgart vorgestellt. Bei der InnoRegioChallenge können KMU aus den Regionen Stuttgart und Neckar-Alb, die in der Automobil- oder Zuliefererbranche tätig sind, eine Aufgabenstellung („Challenge“) einreichen, bei der Forschende, Studierende und Start-ups der Hochschulen der beiden Regionen die Möglichkeit haben, ihre Lösungsansätze im Wettbewerb vorzustellen. Unternehmen wählen Teams aus und bereiten gemeinsam eine Projektskizze vor.

Die Teilnahme an der InnoRegioChallenge bietet Unternehmen die Möglichkeit, innovative Ideen und Formate (weiter-) zu entwickeln, neue Impulse für die Arbeit zu entdecken, sich mit anderen Akteur*innen und Hochschulen zu vernetzen und Kooperationen anzustoßen sowie Sichtbarkeit zu schaffen. Das Besondere an der InnoRegioChallenge ist, dass sie direkt auf die Bedürfnisse der teilnehmenden Unternehmen abzielt, da sie den Transfer von Grundlagenwissen in die Entwicklung neuer technischer Produkte, Materialien etc. ermöglicht. Ziel der InnoRegioChallenge ist es, eine intensivere Zusammenarbeit von KMU und Start-ups aus den Regionen Stuttgart und Neckar-Alb mit den dort ansässigen Hochschulen zu fördern.

In dieser Runde der InnoRegioChallenge arbeitete u.a. ein Team daran, wie eine wirtschaftliche Wasserstoffversorgung von produzierenden Unternehmen ohne Aussicht auf einen Wasserstoff-Pipeline-Anschluss in Zukunft erfolgen kann. Denn um die deutsche Industrie klimafreundlicher zu machen, sollen große Fabriken über ein spezielles Wasserstoffnetz versorgt werden. Viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) werden aber keinen Anschluss an dieses Netz bekommen. Besonders in Baden-Württemberg betrifft das viele Firmen. Diese Unternehmen brauchen daher andere Wege, um trotzdem umweltfreundlichen Wasserstoff nutzen zu können. Eine, die im Zuge der InnoRegioChallenge entwickelt wurde, ist, Wasserstoff in einer anderen Form zu transportieren – zum Beispiel als Ammoniak. Denn Ammoniak kann mit der Bahn oder mithilfe von LKWs geliefert und am Zielort wieder in Wasserstoff umgewandelt werden. Damit das funktioniert, müssen kleine, günstige und sichere Anlagen entwickelt werden, die diese Rückumwandlung direkt beim Unternehmen vornehmen können. So könnten künftig KMU auch ohne große Wasserstoffleitungen mit klimafreundlichem Wasserstoff versorgt werden.

Ein anderes Team untersuchte, wie sich verschiedene Einstellungen beim 3D-Druck mit Metallpulver auf die Qualität der hergestellten Bauteile auswirken. Dieses Verfahren nennt man „pulverbettbasierte additive Fertigung“, kurz PBF-LB/M. Dabei wird Metallpulver Schicht für Schicht mit einem Laser aufgeschmolzen, bis ein komplettes Bauteil entsteht. So wurde beispielsweise getestet, ob die Position auf der Bauplatte einen Einfluss auf das Ergebnis hat – also ob es z. B. Unterschiede gibt zwischen Proben, die am Rand oder in der Mitte gebaut werden. Das Projekt hat wichtige Grundlagen dafür geschaffen, die Qualität und Stabilität von Metall-3D-Druckprozessen besser zu verstehen. Die gesammelten Daten helfen dabei, den Prozess künftig verlässlicher, vergleichbarer und effizienter zu gestalten – unabhängig davon, auf welcher Maschine gedruckt wird.

Insgesamt zeigte sich bei der InnoRegioChallenge vor allem, wie komplex viele Herausforderungen sind und dass Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft und Wissenstransfer dringend nötig sind, um neue Perspektiven zu gewinnen und Probleme zu lösen. Denn vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen im Fahrzeugbau ist es umso wichtiger, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bei der Weiterentwicklung in andere Bereiche oder Lösungssuche aktueller Herausforderungen zu unterstützen und Netzwerke sowie Kooperationen auszubauen. Schon im Mai 2025 hatten KMU aus dem Fahrzeug- und Maschinenbau ihre aktuellen Herausforderungen eingereicht und nach Lösungsgebern aus den Hochschulen (Universität Stuttgart und Hochschule Esslingen) gesucht.

Im Anschluss an die Präsentationen der InnoRegioChallenge wurde zudem der Hochschulpreis Region Stuttgart in Höhe von insgesamt 7.000 Euro an drei Start-ups mit besonders innovativen Ideen verliehen.

Der Hochschulpreis wurde von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH gemeinsam mit der Hochschule für Medien vergeben:

1. Platz: HeyCarla (Start-up aus der Hochschule der Medien Stuttgart): eine App, die bei der Organisation von Betreuung, Einsätzen und Alltagsaufgaben unterstützt

2. Platz: Collectu (Startup aus der Uni Stuttgart und der TTI GmbH): eine App, mit der Mitarbeitende kleiner und mittlerer Unternehmen ohne tiefgreifende Programmierkenntnisse datengetriebene Lösungen zur Bewältigung der Digitalen Transformation erstellen können

3. Platz: Flinq (Startup aus der Hochschule für Technik Stuttgart): ein Tool, das durch die KI-gestützte Auswertung von abgeschlossenen Bauprojekten Rückschlüsse auf mögliche finanzielle Risiken/Kosten vergleichbarer neuer Projekte berechnet

Insgesamt gab es 18 Bewerbungen aus sechs Hochschulen der Region.

Eine weitere Runde der InnoRegioChallenge ist für Frühjahr 2026 geplant. Alle Informationen finden Sie frühzeitig auf dieser Website.

Projektpartner CARS 2.0