Aktuelle geopolitische Veränderungen sorgen bei international tätigen produzierenden Unternehmen für Unsicherheiten und Absatzschwankungen. Gleichzeitig gewinnen bislang weniger stark wahrgenommene internationale Märkte für die Automobil- und Zulieferindustrie sowie den Maschinenbau an Bedeutung. Beim Treffpunkt Automotive ging es deshalb darum, aktuelle Entwicklungen im globalen Handel einzuordnen und die Chancen neuer Partnerschaften und Freihandelsabkommen für regionale Unternehmen zu beleuchten.
Den Auftakt machte Wolfgang Bücherl, Leiter der Regionalvertretung der Europäischen Kommission in München und zuständig für Baden-Württemberg und Bayern, mit einer politischen Einordnung der aktuellen internationale Entwicklungen. Im Mittelpunkt standen die handelspolitischen Rahmenbedingungen und ein Ausblick auf die Freihandelsabkommen der Europäischen Union. Am Beispiel des EU-Indien-Freihandelsabkommens und der Partnerschaften mit ASEAN-Staaten wurde deutlich, dass diese Abkommen weit über den Abbau von Handelshemmnissen hinausreichen. Themen wie stabile Lieferketten, wirtschaftliche Souveränität und klimaneutrale Wertschöpfung spielen dabei ebenfalls eine wichtige Rolle.
Anschließend gab Marc Bauer von der IHK Region Stuttgart einen Einblick in die Möglichkeiten und Herausforderungen, die Freihandelsabkommen gerade für KMU mit sich bringen. Dabei ging es um die Erschließung neuer Märkte, organisatorische Anforderungen und Dokumentationspflichten ebenso wie um unterschiedliche Standards. Von der ersten Orientierung bis hin zu konkreten Fragestellungen beim Aufbau internationaler Geschäftsbeziehungen stehen Unternehmen verschiedene Informationsangebote und Anlaufstellen zur Verfügung.
Besonders praxisnah wurde es im dritten Vortrag. Christoph Kirsch von der Robert Bosch GmbH berichtete über seine Erfahrungen im Geschäft mit Indien. Bosch ist bereits seit den 1920er-Jahren in Asien aktiv. Der Blick auf Indien zeigte dabei sowohl die großen Potenziale des Marktes als auch die Herausforderungen, die zwischen strategischer Planung und konkreter Umsetzung entstehen können. Neben Chancen in Bereichen wie E-Mobilität, Industrie 4.0 und Dienstleistungen ging es um Bürokratie, Korruption und den Schutz geistigen Eigentums. Auch die Bedeutung lokaler Partner, interkultureller Sensibilität und die Anpassung globaler Strategien an lokale Gegebenheiten wurden thematisiert. Der Vergleich mit China und die wirtschaftlichen Verflechtungen in Asien ergänzten die Diskussion.
Eine zentrale Erkenntnis zog sich durch alle drei Beiträge. Indien bietet für Unternehmen erhebliche Perspektiven. Die erwarteten Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts, Produktivitäts- und Effizienzpotenziale sowie umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur eröffnen interessante Möglichkeiten, auch und gerade für Unternehmen aus der Automobilindustrie.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass der indische Markt kein Selbstläufer ist. Wer die Chancen nutzen möchte, muss sich mit den spezifischen Rahmenbedingungen, vorhandenen Hemmnissen und Besonderheiten des Marktes auseinandersetzen. Freihandelsabkommen können den Zugang erleichtern. Für einen erfolgreichen Markteintritt bleiben jedoch die konkrete Vorbereitung, lokale Kenntnisse und die richtigen Partner entscheidend.
Der Treffpunkt Automotive verband damit die politische und handelspolitische Perspektive mit konkreten Unterstützungsangeboten für Unternehmen und Erfahrungen aus der Unternehmenspraxis. So entstand ein umfassender Blick darauf, welche Chancen Indien für regionale Unternehmen bietet und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um diese auch tatsächlich nutzen zu können.
Vielen Dank an unsere Referenten und alle Teilnehmer*innen für die spannenden Einblicke und den gemeinsamen Austausch!
Die Präsentationen der Referenten stehen im Folgenden zum Download zur Verfügung.


